SELBSTAUSLÖSER (DEUTSCHLAND)

Selbstauslöser aus Deutschland sind an Vielfalt weltweiter Spitzenreiter. Allein über 100 Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen in diesem Bereich dokumentieren die Jagd nach dem idealen Mechanismus. Um den Rahmen dieser Seite nicht zu sprengen, werden den größeren Anbietern jeweils eine eigene Themenseite gewidmet.

1900: HAAKE & ALBERS 'AUTOPHOTOGRAPH'

Haake & Albers, Frankfurt a. M. offerierte eine sehr langsam gehende Uhrwerks­vorrichtung, „sich ohne fremde Hülfe selbst zu photographiren“.

Modell 1 (links) war für alle Metall-Zentralverschlüsse geeignet. Der rechte Hebel öffnet den Verschluss, der linke schließt ihn wieder. Ihr Abstand zueinander bestimmt die Belichtungszeit. Modell 2 (rechts) war für Handkameras, die durch Knopfdruck ausgelöst werden. Hier betätigt die rechte Nase den Auslöseknopf. Durch die Anordnung der beweglichen Segmente lässt sich die Belichtungszeit variieren. Um einen korrekten Ablauf zu gewähren, konnte man seine Kamera per Post an das Werk einschicken und einen Autophotograph anpassen lassen.

 

1903: ERNEMANN 'AUTO-BOB'

Die Firma Heinrich Ernemannaus Dresden nahm Haake & Albers Autophotograph umgehend in ihr Verkaufsprogramm auf, entwickelte aber auch schnell eine eigene Version eines aufziehbaren Vorlaufwerks zur Selbstfotografie und geregelten Zeitaufnahme.

Ihr Auto-Bob konnte durch einfaches Anstecken an den Apparat oder den Verschluß befestigt werden. Er wurde gleich in drei Ausführungen angeboten und war nun auch für Klapp-Kameras mit Schlitzverschluß geeignet (Abb. Modell C). Die auf den einzelnen Hebel des Sternes befindlichen Zahlen geben die ungefähre Belichtungszeit an.

 

1907: CARL BASER 'KNIPSI'

Dieser kleine Schnapper hat einen kräftigen Biss. Weit über 100 Jahre alt und völlig zahnlos macht er noch heute jeden Auslösebirne platt. Aufgehalten wird er nur noch durch einen kleinen Celluloidring, der die beiden äußeren Enden der zangenartigen Konstruktion umschließt. Diesem droht ein jähes Ende, denn ein kleines Feuer bewegt sich an einer Zünd­schnur unbeirrbar auf ihn zu. Entflammt der Ring, wird die Kraft der starken Spiralfeder frei­gegeben und der Auslöseball zusammen gepresst, auf dass ein pneumatischer Verschluss ausgelöst wird. Der lodernde Celluloidring verschwindet der­weilen im Teppich oder in der Gardine - und sorgt für weitere Aktivitäten ganz anderer Art.

1909: CARL BASER 'KNIPSI II'

Der Knipsi für Auslösebälle war durchaus erfolg­reich. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, England und den USA wurde er patentiert und auch verkauft. Um weitere Pyromanen zu begeistern, gab es 1909 zusätzlich den Knipsi II, der nach demselben Prinzip nun auch Drahtauslöser bewegte. An den seitlichen Griffen drückt man die im Inneren des Gehäuses befindliche Feder nach unten und verbindet die vorne herausragenden Stifte durch Überlegen eines Zelluloidrings mit Zünd­schnur. Nach Entfernen der obigen Kappe kann man das freie Ende des Drahtauslösers einlegen.

Die Abbildung zeigt den Knipsi II mit einigen Reklamemarken, wie sie zu Beginn des 20. Jahr­hunderts für viele Produkte üblich waren.

1909: WIESENHAVERN 'EFFWEE-AUTOKNIPS'

Der Effwee-Autoknips wird mit einer Schraubklemme am Laufboden einer Kamera befestigt und wirkt über einen Faden mit einem Messinghäkchen direkt auf den Abzugs­hebel des Verschlusses. „Absolut sicher funktionierend. Kein komplizierter Mechanismus, daher äusserst einfach in der Hand­habung. In 5 - 10 Sekunden an jeden Apparat montiert und gebrauchs­fertig. Sehr klein und zierlich, daher in jeder Westen­tasche unterzubringen." hieß es im Prospekt. Der Grundstein des Autoknips war damit gelegt (siehe auch Themenseite Autoknips).

1910: ERNEMANN 'AUTEX'

Ernemann entwickelte mit dem Autex erstmals einen Uhrwerks-Selbstauslöser, der direkt einen Drahtauslöser zusammendrücken konnte. Ein besonderer Blickfang war die große ausklappbare Signalscheibe, mit der man den Verlauf der Auslösung aus der Ferne beobachten konnte. Mit seinen 85 Gramm wurde der Autex als kleines äußerst sinnreich gearbeitetes Präzisionsuhrwerk von denkbar geringen Abmessungen und geringem Gewicht" angeboten. Dieser Beschreibung sollten noch viele Modelle folgen (siehe auch Themenseite Ernemann).

1911: OTTO SPITZER 'TOURIST'

Otto Spitzer, eine Berliner „Fabrik moderner photo­graphischer Apparate und Bedarfsartikel“, brachte 1911 den Tourist auf den Markt. Er war in Kombination mit einem Drahtauslöser für nahezu alle Kameras geeignet und mit einem Preis von 2.- RM deutlich billiger als ein Uhrwerks­auslöser. Dazu gab es dreißig Zünd­papiere, wie sie auch für Blitz­licht­pulver verwendet wurden.
Für eine Selbstaufnahme spannt man den Federhebel und befestigt eine Zwirn- oder Wollfadenschlinge so in die beiden Einschnitte, dass diese nicht abrutschen kann. Nach dem Anbringen eines Streifens Zündpapier und Einlegen des Drahtauslösers ist der Tourist betriebsbereit. Bei der Benutzung sollten das Gerät - so die Empfehlung in der Gebrauchs­anweisung - von der Kamera nach hinten weg hängen, um entstehende Rauch­schwaden vor dem Objektiv zu vermeiden.

1912: PAUL STRIGEL 'PASTRI'

Paul Franz Strigel, Fabrikant für Metallwaren in Sebnitz i. S., verband die Technik beider Knipsi in einem neuen Gerät. Der Pastri Selbstauslöser besteht aus einer vernickelten Metall­klammer mit Federung zur Aufnahme eines Draht­auslösers. Die Auslösung erfolgt ebenfalls durch Zelluloid­ring und Zündschnur.

Diese preiswerte und nur 13 g leichte Konstruktion hielt sich bis Ende de 20er Jahre im Angebot größerer Fotohändler.

1912: CARL WEBER 'PHTOPERFECT'

Der Photoperfect basierte auf dem Prinzip einer Eieruhr, bei der feinkörniger Sand von der oberen Kammer zur unteren fließt und damit ein erschütterungsfreies Zusammen­drücken eines Drahtauslösers bewirkte. Durch das Herum­schwenken des Sand­behälters um eine mittlere Drehachse konnte der Photoperfect sofort wieder betriebsbereit gemacht werden.

Entwickler dieser ungewöhnlichen Technik war der Berliner Student Carl Weber, der noch viele Selbst­auslöser konstruieren sollte (siehe auch Themenseite Weber).

1912: EMIL BELLMANN

Seit 1909 besaß Emil Alfred Bellmann ein eigenes Papier- und Schreibwarengeschäft am Neustädter Markt in Dresden. Hier bot er auch photographische Bedarfsartikel und Film­entwicklungen an. Um Kundenwünschen gerecht zu werden, konstruierte er eigens einen Selbstauslöser und ließ ihn sich patentieren.

Auch wenn der kommerzielle Erfolg des Bellmannschen Gerätes ausblieb, hatte es sicher nicht an der Originalität gelegen. Am Boden des bis 12 Sekunden einstellbaren Zeitauslösers befindet sich ein zweiseitiger Windflügel, der durch Umstecken eine andere Übersetzung erhält. So sind zwei verschiedene Vorlaufzeiten einstellbar.

1920: BOEHM 'COMPRESSOR'

Bei den Selbstauslösern der Boehm- Werke ist das Gehäuse nicht wie üblich verschraubt, sondern lediglich zusammen gesteckt und -gefaltet und erinnert an aufziehbares Blech­spiel­zeug. Lustig rasselnd und vibrierend löst er dabei spielend leicht auch die schwersten Verschlüsse aus", wie die Werbung versprach. Unter den Namen Compressor, Nimbus oder schlicht Momentauslöser entwickelten sie sich in den 20er Jahren zur billigen Konkurrenz des Autoknips.

Die Berliner Boehm Werke AG wurde vor allem durch das Magnesiumblitzlicht 'Sonne in der Westentasche' (1924) bekannt. Es folgten zahlreiche Innovationen im Bereich Metallwaren und Beleuchtungsartikel, die vor allem einfach und für jedermann erschwinglich sein sollten. Firmengründer und Ideengeber Dr. Wilhelm Böhm verstarb 1932 im Alter von nur 59 Jahren.

1920: MAFI ZEITAUSLÖSER

Detailreicher Zeitauslöser mit zwei Spannhebeln und mehreren Einstellmöglichkeiten, auch auf der Rückseite. Hier wurde richtig Aufwand betrieben, allen Ansprüchen an einen Uhrwerks-Selbstauslöser gerecht zu werden. Der Mafi Selbstauslöser wurde 1920 als DRGM angemeldet und als „Präzisions­instrument 1. Ranges, Lieferung nur an reguläre Handlungen und Grossisten" beworben, wobei Abnehmer auch ihren eigenen Namen anbringen konnten. Bekannt sind 'Favorit' und 'Reporter'.

Das Unternehmen Mafi wurde 1919 durch die Brüder Carl jun. und Max Fiedler in Freudenstadt gegründet. Ihre Pro­dukte umfassten Photographische Apparate, Instrumente und Geräte.

1921: DREXLER & BURGER 'CHRONOS'

Neu war der im Gehäuse liegende rote Signalpunkt, der nur im gespannten Zustand sichtbar ist und vor der Aus­lösung vom Aufzughebel verdeckt wird. Nicht neu war der Name Chronos. Aus rechtlichen Gründen hieß das Gerät deshalb sehr schnell schlicht Zeitauslöser.

Die Firma DBK war ein kleiner Familienbetrieb in Ober­bayern. Ihre Selbstauslöser hießen Chronos (1921), Knirps (1922), Fernar (1924) und Kleinodar (1926). Als Michael Burger die Firma verließ, schmolz der Firmenname auf 'DK' zusammen. Neuer Geschäftspartner wurde Franz Bauer in München, mit dem der Vertrieb von DK Selbstauslösern unter der Marke 'Favorit' stark ausgebaut wurde (siehe auch Themenseite Drexler).

1922: OTTO SPITZER 'KAMERAD'

Die Firma Otto Spitzer, Berlin, war stets für ihre guten und dabei sehr preiswerten photographische Neuheiten bekannt. Neben ihrem bereits bewährten Selbstauslöser Tourist brachte sie nun im Mai 1922 ein neues Modell namens Kamerad auf den Markt. Die „fein vernickelte Friedensausführung“ ermöglichte eine „genaue Beobachtung, in welchem Moment die Auslösung erfolgt, daher: keine verwackelten Gesichter!“. Sein Prinzip beruht auf einer gespannten starken Feder, die durch einen Zündpapier­streifen gehalten wird, nachdem ein Drahtauslöser für Verschlüsse in die Metallröhre eingeführt wurde. Sobald das Zündpapier auch am Halteschlitz glimmt, überwiegt der Federdruck des kleinen Apparates die Widerstände, so dass der Stempel gegen den Draht­auslöser drückt, wodurch dann der Verschluss ausgelöst wird. Den Kamerad gab es in zwei Ausführungen: für alle Zentralverschlüsse sowie speziell für Ibso-Verschlüsse.

1923: CONTESSA-NETTEL

Auch wenn Contessa-Nettel keine eigenen Selbstauslöser produzierte, schafften sie es doch, innerhalb von drei Jahren bis zur Fusion zur Zeiss Ikon AG, fünf verschiedene Selbst­auslöser anbieten zu können.

Zunächst gab es einen eigens gravierten Autoknips 'Contessa Nettel A.G. Stuttgart', danach einen DK Knirps mit eigenem Firmenlogo. Danach ließ sich Contessa Nettel aus der Schweiz mit zwei Photoclip (Moment- und Zeitauslöser) beliefern, die ebenfalls das Firmenlogo trugen und bereits von vorn durch eine orangefarbene Signalscheibe zu erkennen waren (siehe auch Themenseite Contessa-Nettel).

1923: HAKA 'AUTOKNIPS II'

1925: PAUL GÖSSEL 'PEEGEE ZEITAUSLÖSER'

Der Peegee Zeitauslöser drückte einen Draht­auslöser erstmals nicht ruckartig, sondern langsam zusammen. So konnten sowohl Verschlüsse geschont als auch Erschütterungen vermieden werden. Dieses Gerät ließ sich Paul Gössel 1925 als DRGM schützen.
Als 1930 Franz Morat mit seinem Omega eine ähnliche Funktion als Patent anmeldete, legte Gössel Einspruch ein, dem jedoch nicht statt­gegeben wurde. Daraufhin setzte Gössel auf die etwas komplizierte Handhabung des Omega, optimierte sein eigenes Gerät ein wenig und warb dann mit Verblüffend einfache Handhabung. Sofortige Bedienung ohne Beschreibung. Größte Vorteile der jetzt auf dem Markt befindlichen." (Abb. rechts).
Tatsächlich war der Absatz des Omega nur gering, jedoch scheiterte auch der Peegee am steigenden Druck des Autoknips, der bereits den Markt regierte.

1926: ZEISS IKON 'AUTEX'

Die Zeiss Ikon AG wurde 1926 als Zusammenschluss der Firmen Ernemann, Contessa-Nettel, Goerz und Ica gegründet. Anfangs wurden noch Restbestände Ernemann und Contessa-Nettel verkauft. Dann gab es einen neuen Autex I und einen weiteren runden Zeitauslöser. Ihnen folgte ein Peegee Zeitauslöser mit der Bezeichnung Autex III, danach ein neuer, hauseigener Autex III und darauf eine Spezialausführung für die Contax I. Mit zwei Boxauslösern schien durch Artenvielfalt der Bestand gesichert, doch wurden 1936 die eigenen Selbstauslöser von Zeiss Ikon durch eine weitaus dominantere Spezies verdrängt: dem Autoknips (siehe auch Themenseite Zeiss Ikon).

1928: RUDOLF CHASTÉ 'MONOFIX'

Eine originelle Eigenentwicklung des Mono-Werks Rudolf Chasté, Magdeburg, war der Monofix. Er kostete einschließ­lich zehn Zündern 1.50 RM, ein Beutel mit zwanzig Ersatzzündern noch einmal fünfzig Pfennig. Sein Herzstück ist ein Zelluloidplättchen mit drei Bohrungen.

Zur Vorbereitung knüpft man der Zündschnur an einem Ende einen Knoten und fädelt sie durch die mittlere Bohrung des Plättchens. Danach drückt man beim Monofix den gefederten Stempel ganz herunter und steckt das Zelluloidplättchen auf die beiden dafür vorgesehenen Stifte. Die Auslösung kann nun durch Abbrennen der Zündschnur und folgender Verbrennung des Zelluloids erfolgen.

1928: GEORGE THOMALE 'TRIUMPH'

George Thomale betrieb im Raum Dresden eine 'Fabrikation photographischer Bedarfsgegenstände' und konstruierte den Triumph Zeitauslöser nach dem Prinzip des Peegee, der das Zusammendrücken des eingespannten Drahtauslösers nicht ruckartig, sondern langsam bewirkt.

Der Triumph wurde bis 1939 u. a. als Record (Franz Matthias, Dresden), Ralik (Friedrich Laetsch, Frankfurt a. M.) und Wafex II (Wafo GmbH, Berlin) vertrieben.

1929: CARL WEBER 'DIREKT'

Nach der Serie des Photoperfect entwickelte Dr. Carl Weber in seiner Kieler 'Präzisions-Werkstatt für wissenschaftliche Apparate' einen kleinen ölhydraulischen Selbstauslöser.

Der Direkt wird ohne Drahtauslöser direkt in den Verschluss ein­geschraubt und garantierte eine absolut erschütterungsfreie Aus­lösung. Er wurde in sieben verschiedenen Ausführungen angeboten. Zusätzlich gab es Zubehör: Ansatznippel für kleine Verschlüsse, Ansatzverlängerung, Verschlusskappe, Signalarm und Lederetui (siehe auch Themenseite Weber).

Der Direkt überzeugte in Handhabung, Zuverlässigkeit und Preis. Das Modell Direkt für Leica wurde bis 1938 auch von E. Leitz vertrieben, was ihm heute eine relativ hohe Aufmerksamkeit einbringt (siehe auch Themenseite Leitz).

1929: FRANZ BAUER 'FAVORIT'

Albert Drexler in Kochel (Oberbayern) konstruierte seit 1921 verschiedene Selbstauslöser und vertrieb sie zunächst eigenständig, bevor er Franz Bauer aus München als Vertriebspartner gewann. Mit ihm legte er die beiden Favorit-Selbstauslöser auf, die auf dem Momentauslöser DK Kleinodar und dem Zeitauslöser DK Fernar basierte.

Neu an den Favorit war eine blaue Signalscheibe und die Möglichkeit für Abnehmer größerer Mengen, ihren eigenen Namen anbringen zu lassen. So lassen sich noch heute Selbst­auslöser wie z. B. 'Beeze das grosse Fotohaus Leipzig' oder 'Groß-Fotohaus Martin Könnecke Magdeburg' finden (siehe auch Themenseite Drexler).

1930: GUSTAV MARKUS 'MARKUSO'

Bei dem Markuso wird ein konischer Dorn durch einen engen Gummiring gedrückt, wobei die Reibung die nötige Verzögerung bewirkt. Durch Drehen des Riffelrades sind Vorlaufzeiten zwischen fünf und 60 Sekunden einstellbar.

Da Dr. E. Mayer (DREM) seinen Autodrem nur in Österreich patentieren ließ, konnte Gustav Markus die Friktionshemmung in Deutschland vermarkten. Die Technik ist die gleiche, nur hat der Markuso keinen Handgriff zum Herunter­drücken, sondern einen Ring zum Herausziehen.

1930: ADINA ZEITAUSLÖSER

Mit diesem neuartigen Zeitauslöser sollten beliebig kleine Belichtungs­zeiten möglich gemacht werden. Das Patent beschreibt Zeiten von 1/50 bis 30 Sekunden, technisch wurde eine Spanne von 1/10 bis 10 Sekunden umgesetzt.

Die Warenhauskette Schocken war in vielen Städten Deutsch­lands der Inbegriff für preiswertes Einkaufen bei gleichzeitig reichhaltigem Angebot. Das Verkaufskonzept beinhaltete ein allumfassendes Angebot von der Stopfnadel über Lampen­schirme bis hin zum Photoapparat".
Der Name Adina ist ein hebräischer Frauenname und bedeutet die Edle, die Zarte.

1932: HAKA 'SELBSTAUSLÖSER FÜR AGFA-PREISBOX'

In den 30er Jahren wurden einfache Boxkameras für jeder­mann erschwinglich. Die Firma Agfa bot 1932 ihre 'Agfa-Preisbox' quasi zum Selbstkostenpreis von 4 RM an. Die Nachfrage war enorm und die Rechnung ging auf: Agfa verdiente durch einen wachsenden Bekanntheitsgrad und den Verkauf von Filmen.
Zum Leidwesen der Selbstportraitisten besaß diese Box­kamera nur einen simplen Auslösehebel statt des sonst üblichen Anschlussgewindes. Abhilfe versuchte zunächst Heinrich Klapprott mit einer eigens angepassten Interpretation des Autoknips I. Dieser blieb jedoch erfolglos, da Agfa einen eigenen, schwarz lackierten Boxauslöser auf den Markt brachte.

1934: AGFA BOXAUSLÖSER

Seit 1934 konnte man seine Agfa Preisbox mit einem eigens konstruierten Selbstauslöser aufrüsten. Dieser war wie die Preisbox schwarz lackiert und lag mit einem Preis von RM 1,85 deutlich unter den RM 4.- für einen Autoknips I. Zur Befestigung musste zunächst ein Halterungsplättchen an die Box geschraubt werden, was jedoch einfach funktionierte, da das Gehäuse der Kamera größtenteils aus Holz und Pappe besteht. Lediglich die Vorder- und Rückfronten sind aus Blech.

1934: BALDA 'FIX'

Das Dresdner Balda-Werk hatten bereits Ende der 20er Jahre verschiedene Selbstauslöser im Angebot. Nach dem Balda-Autoknips I, Balda-Autoknips II, Balda-Knips I und Balda-Knips II gab es nun den Balda Fix in Form eines kleinen, schwarz lackierten Box­auslösers. Dieser war spezielles Zubehör für 'Balda Rollbox' und 'Poka Extra' und konnte mit einer speziellen Halteklammer ohne Schrauben an der Box befestigt werden. Sein Preis lag bei RM 1,90 (siehe auch Themenseite Balda).

Wie der Agfa Boxauslöser war auch der Balda Fix aus dem Hause Franz Bauer.

1938: ERNST LEITZ 'APDOO'

Nach dreijähriger Entwicklungsarbeit brachte E. Leitz endlich einen hauseigenen Selbstauslöser auf den Markt. Mittlerweile gab es bereits seit zwei Jahren den Autoknips III für Leica, während der Nachschub des DIREKT stockte und die Tochter E. Leitz New York mit ihrem DIRON eigenen Wege zu beschreiten versuchte. Unter dem Bestellcode APDOO erhielt man 1938 schließlich das begehrte original Leica-Zubehör, edel schwarz lackiert mit der typischen Glocke zum Anschrauben auf die Leica.
Ob Vor- oder Nachkriegsmodell lässt sich an der Bauweise bestimmen, wobei letzteres mit pilzförmigen Knopf weitaus häufiger auftritt. Richtig selten dagegen ist der APDOO mit dem roten Signalpunkt. Er besitzt ein Compur-Gewinde und war für die 'Leica M2' vorgesehen, ging jedoch nicht in Serie.

1950: KARL FOITZIK 'REX'

Nach Ende des II. Weltkriegs gründete Carl Webers Neffe in Lübeck die „Feinmechanischen Werkstätten Karl Foitzik“. Für neue Selbst­auslöser nahm sich Karl Foitzik die Konstruktionen des Direkt, bestückte sie mit einen zusätzlichen roten Signalknopf, ließ sich diese als Gebrauchs­muster schützen und stellte sie mit „Achtung! Neuheit! REX d e r Selbstauslöser“ auf der Photokina 1950 in Köln vor.

Insgesamt sechs verschiedene Modelle des Rex wurden so in Lübeck und Trier erfolgreich produziert (siehe auch Themenseite Weber).

1950: ROBOT SELBSTAUSLÖSER

Diese 13 Gramm leichte Alu-Konstruktion gilt als seltenes Robot-Zubehör. Erst Juni 1950 im 'Photo­magazin' (München) unter der Rubrik 'Mitteilung der Industrie: Robot noch vielseitiger...' und auf der Photokina in Köln vorgestellt, ver­schwand er 1951 wieder aus dem Verkaufs­programm.
Das Interessante an diesem Selbstauslöser ist die ausgetüftelte Mechanik, die nach der Auslösung ein Zurückspringen des Auslösestifts ermöglicht.

1952: HAMAPHOT 'FOTOKNIPS'

Zur Familie der Fotoknips zählen drei Grund-modelle. Das erste besteht aus einer kleinen Aluminiumschüssel, deren innen liegender Gummisaugnapf flach gedrückt nach regulier­barer Zeit in seine Ausgangsform zurücksprang. Ihm folgte ein Zylinder mit einem Luftdruck gebremsten Kolben. Das letzte Modell, eckig und vernickelt, hat zur Hemmung einen Brems­gummi ähnlich eines Treibriemens.

Erfinder der Fotoknips war ein feinmechanisch sehr begabter Fotohändler namens Franz Heim aus Vöhringen an der Iller. Hamaphot hatte seinerzeit die Lizenzen erworben und verkaufte sie als preiswerte Alternative zu herkömmlichen Uhrwerksauslöser. 1963 wurden sie durch eben diese japanischer Herkunft ersetzt (siehe auch Themenseite Hamaphot).

1954: ROWI MOMENTAUSLÖSER

Der Rowi Selbstauslöser ist ein kleiner runder und matt vernickelter Moment­auslöser. Er wurde von der Robert Widmer GmbH in Neuburg zwischen 1954 bis 1966 her­gestellt und besitzt laut Katalog ein erprobtes, zuverlässiges Schweizer Präzisionswerk.

1954: VEB BERLINER VERGASER-FABRIK

Der VEB Berliner Vergaser-Fabrik war Produzent von Vergasern für die in der DDR gebauten Kraftfahrzeuge Trabant und Wartburg, für Landmaschinen und für die späteren Zweiradfahrzeuge. Das Produktionsprogramm wurde 1954 unter anderem um einen hydraulischen Selbstauslöser erweitert; einem der Artikel des Bevölkerungs­bedarfs, die auf Weisung der Wirtschaftslenkung der DDR in vielen Betrieben hergestellt werden mussten, um aufkommende Mangelerscheinungen zu mindern.

Bei diesem Selbstauslöser handelt es sich um einen verchromten Nachbau des Weber­schen Direkt mit seitlicher Feststellschraube in der höchsten DDR-Qualitätskategorie.

1955: PHOTO-HÄBERLE 'MOMENT'

Es war einmal ein Fotohändler namens Häberle, der hatte ein kleines Geschäft im Herzen der Hauptstadt der damaligen DDR. Um Kunden­wünschen gerecht zu werden, griff er die Idee des kleinen, kompakten Direkt auf und verpasste ihm eine Friktionshemmung á la Autodrem. So ent­stand der Moment, eine nahezu unverwüstliche, nur sechs Gramm leichte Aluminiumkonstruktion, bestehend aus Druckhülse, Friktionshülse und Druckstift. Zusätzlich eine gab es Schutz- und eine Zwischenkappe und einen zweiten Satz Gummiringe. Und weil Service bei ihm groß geschrieben wurde, konnte man jedes Teil bei Bedarf auch einzeln nachkaufen.

1956: VEB FEINGERÄTEWERK WEIMAR

Mit dem Slogan So lang ist Ihr Arm garnicht!" bewarb der VEB Feingerätewerk Weimar ihren ersten Uhrwerks-Selbstauslöser. Dieses namenlose Modell mit schwarzem Plastegehäuse war sehr begehrt und entwickelte sich in der DDR bald zum Trabbi unter den Selbst­auslösern. In Kombination mit einer Auslösernadel (EVP M. 2.60, K. D. Huffziger, Leipzig) konnte man ihn seit 1960 sogar zum direkten Einschrauben an den Verschluss verwenden.

Der Momentauslöser kostete bis zum Produktionsende einheitliche 7.90 Mark, wobei die Verarbeitungsqualität aufgrund der bestehen­den Preis­bindung über die Jahre nachließ. Restbestände wurden nach der Währungsreform im Oktober 1990 für 6,- DM verkauft.

1959: VEB FEINGERÄTEWERK WEIMAR 'MOD. Z'

Ebenfalls von VEB Feingerätewerk Weimar, aber weitaus schicker als sein kleiner schwarzer Bruder, war der Zeit­auslöser 'Mod. Z' im Stil der 50er Jahre mit verchromten Rändern, beklebt mit rotem Kunstleder. Hierfür gab es eigens eine Anmeldung zum Gebrauchs­muster als 'Selbst­auslöser für Photo- und Schmalfilm­geräte mit einstellbarer Szenen­länge' vom VEB Feinmeß Dresden. Das Modell war bis 1973 für EVP 18 Mark zu haben.

1964: AGFA 'FIX'

Kurz nach dem Erscheinen des Autoknips AK stellte Agfa ihren Fix (Typ 6737)  vor, einen großen kräftigen Auslöser, der vor allem für ihre Optima-Modelle vorgesehen war.

Dieser matt verchromte Momentauslöser hat eine schwarze Aufzugscheibe sowie seitlich jeweils einen grünen und roten Knopf für Start und Stop.

 

1967: PRONTOR

Von der Alfred Gauthier GmbH gab es diesen patentierten Momentauslöser mit einstellbarer Ablaufgeschwindigkeit und optischem Auslöse-Vorsignal.

Der Prontor besitzt ein graues Plastikgehäuse, einen seitlichen Wippschalter für Start und Stop und einen Stellhebel zur Wahl der Ablaufgeschwindigkeit. Je nach Einstellung beträgt die Vorlaufzeit 7, 14 oder 20 Sekunden. Vor der Auslösung springt ein orangefarbener Signalgeber dreimal in die Höhe und sorgt so für fröhliche Gesichter.

Dieser Selbstauslöser wurde auch unter den Namen 'Revue' (Foto-Quelle, Nürnberg) und mit schwarzem Gehäuse als 'Kaiser' (Kaiser Fototechnik, Buchen) verkauft.

1968: HAUCK 'SELF-TIMER FOR POLAROID SWINGER'

Dieses Stück Plastik ist ein Selbstauslöser für die Polaroid Swinger Mod. 20, der ersten für Jeder­mann erschwinglichen Sofortbildkamera. Sie wurde derart oft verkauft, dass McKeown's Price Guide To Cameras ihren Wert mit $5 per truckload, delivered" beschreibt. Das Interesse an deren Zubehör scheint kaum höher.
Im Zeitalter von Love, Peace und Flowerpower wurde die 'Swinger' beliebtes Werkzeug für freizügige Fotos, die man zur Entwicklung nicht mehr aus der Hand geben brauchte. Dabei wurde der Name Swinger zum Begriff loser Partnerschaften. Erstaunlich, dass ausgerechnet in Bayern ein Hilfsmittel konstruiert wurde, das diese 'Swinger'-Kultur unterstützte.

1970: AGFA 'CINEFIX'

Mechanisches Zubehör für den engagierten Schmalfilmer: Selbstauslöser und automatischer Szenenbegrenzer in einem - der Agfa Cinefix, passend an alle Super-8-Kameras mit 2,5 mm Fernauslöse-Klinkerbuchse. Nach dem Prinzip der Eieruhr wird zunächst das kleine Federwerk aufgezogen. Am Rändelrad stellt man die Szenenlänge zwischen 5 und 30 Sekunden ein und drückt dann den orange­farbenen Auslöseknopf. Danach hat er 10 bis 12 Sekunden Zeit, sich selbst in Szene zu setzen, bevor die Kamera für die vorgewählte Zeit ausgelöst wird.

letzte Änderung: 20.08.15