SELBSTAUSLÖSER (SCHWEIZ)

Selbstauslöser aus der Schweiz wurden vor allem durch den Photoclip repräsentiert, dem auch eine eigene Themenseite gewidmet wurde. Doch reicht das Spektrum 'Swiss Made' weit darüber hinaus: vom exklusiven Selbstauslöser aus Feinsilber bis hin zur bunten Rasselkiste.

1911: ARNOLD HOFRICHTER

Arnold Hofrichter war Uhrmacher aus Zürich. Nebenher entwickelte er einen Selbstauslöser und lies ihn patentieren. Über eine durch das Laufwerk aufgewundene Schnur sollte dieser funktionieren, frei von Erschütterungen und dem Einsatz von Feuer. Zusätzlich erlaubt ein umlegbarer Hebelmechanismus die Anwendung für verschiedene Systeme von photographischen Verschlüssen.

Das hier abgebildete Gerät ist lediglich ein handgefertigter Prototyp. Für eine Serienproduktion gibt es bislang noch keine Hinweise.

1915: HANS GUGGENBÜHL

Ebenfalls aus Zürich stammt diese Metallklammer. Patentinhaber war Hans Guggenbühl, hauptberuflich Gerichtsbeamter und nebenher wohl Hobbytüftler (Sein zweites Patent beschreibt die Konservierung von Strohhüten). Seine Erfindung sollte ein billiger und einfacher Ersatz zu den üblichen Uhrwerks-Auslösern werden und gleichzeitig auch die bisher handelsüblichen Geräte mit Zündschnur ersetzen. So konnte man durch eine kleine Rändelschraube die Ausstoßweite des Auslösestiftes exakt einstellen, um den Kameraverschluss nicht übermäßig zu traktieren. Zusätzlich sorgt eine Knalleinlage an der Zündschnur kurz vor der Auslösung für ein akustisches Signal.

1916: MÜLLER & VAUCHER 'PHOTOCLIP'

Der heute wohl bekannteste Selbstauslöser der Schweiz wurde von der Uhrenmanufaktur Müller & Vaucher (M&V) in Biel hergestellt. Neben der Produktion von Taschenuhren wurde 1915 zunächst ein Belichtungsmesser in einem Taschenuhrengehäuse untergebracht und so die Weichen zu weiterem Fotozubehör gestellt. Heraus kam ein einfacher Momentauslöser namens Photoclip, der durch seine runde Form in Verbindung mit der bekannten Qualität Schweizer Uhrwerke schnell erfolgreich wurde (siehe auch Themenseite Photoclip).

1919: AUTODECLANCHEUR 'SYST. BOOLSKY"

Dieser Zeitauslöser aus Genf hatte alle Eigenschaften Schweizer Präzisionsarbeit: einstellbare Belichtungszeiten bis 30 Sekunden mit einer sehr feinen Zeiteinstellung in Intervallen von ¼ Sekunden und zusätzlicher Justiermöglichkeit, sowie eine Seriennummer. Die Bewegung eines eingespannten Drahtauslösers erfolgt separat über einen seitlichen Spannhebel.

Entwickler war jedoch kein Uhrmacher, sondern ein Medizin- und Kunststudent mit autodidaktischer Ausbildung zum Ingenieur namens Jacques Bogopolsky, geb. am 31.12.1895 in Kiew. Bogopolsky ließ sich diesen Zeitauslöser noch über die Societe anonyme pour l'exploitation d'inventions (Aktiengesellschaft für die Verwertung von Erfindungen) patentieren, machte sich aber schnell unter dem Namen Jacques Boolsky vor allem mit Kinematographen und Fotokameras selbstständig. Zu Beginn des II. Weltkriegs emigrierte er in die USA und startete unter dem Namen Bolsey eine zweite Karriere.

1922: MÜLLER & VAUCHER 'PHOTOCLIP B'

Nach dem erfolgreichen Start des Momentauslösers Photoclip entwickelte Müller & Vaucher nun auch einen Zeitauslöser. Das neue Modell namens Photoclip B ist seinem Vorgänger gegenüber sehr ähnlich, besitzt aber unter dem Aufzugsgriff zusätzlich eine Stellscheibe zur Einstellung der Belichtungszeit. Beim Ablauf drückt zunächst die bewegliche Greiferschiene wie üblich einen eingespannten Drahtauslöser zusammen, um dann nach eingestellter Zeit bis maximal 20 Sekunden wieder loszulassen.

Als Produkt einer Uhrenmanufaktur hat dieser Zeitauslöser natürlich auch eine Stellschraube zur Justierung der Laufgeschwindigkeit, die die Beschriftung AF (accélérer, fast) bzw. RS (ralentir, slow) trägt (siehe auch Themenseite Photoclip).

1922: ZURFLÜH 'CHRONOMETREUR J.Z.'

Bereits einen Monat nach den Photoclip B meldete der Ingenieur Jacques Zurflüh aus Schweizer Uhrenstadt La Chaux-de-Fonds einen neuen Zeitauslöser an, der in den nächsten Jahren eine wesentliche Rolle spielen sollte. Die technische Neuerung bestand maßgeblich aus einem auf- und abbewegenden Stempel, der nahezu erschütterungsfrei einen Drahtauslöserkopf bewegen konnte. Entsprechend wurde der neue Selbstauslöser mit Chronometreur J. Z. Le Seul qui agisse comme la main.“ bzw. „Der Zeitauslöser CHRONOMETER J. Z. allein ersetzt die Handauslösung“ beworben und so vor allem gegen die recht einfache Technik des Photoclip B gewettert.

1926: ZURFLÜH 'AUTO-PHOTO'

Den Chronometreur J. Z. gab es neben der einfachen Ausführung für CHF 12.50 auch als Modell mit einem Gehäuse aus Feinsilber für CHF 25.-. Ab der Serien­nummer 4000 erhielt der Zeitauslöser noch zusätzlich und ohne Preiserhöhung eine Regulier­schraube mit der Beschriftung AF/RS (wie beim Photoclip B), doch war die Konkurrenz einfach nicht zu stoppen. Schien es an dem etwas sperrigen Namen ‘Chronometreur J. Z.‘ zu liegen, wurde auch hier optimiert: Von nun an sollte der ‘Auto-Photo‘ auch namentlich die Vorzüge des Autoknips und des Photoclip in einem Gerät verbinden.

1927: ZURFLÜH 'FOTO-SKI'

Die nächste Stufe eines optimalen Zeitauslösers erreichte Jacques Zurflüh mit seinem neuen Foto-Ski. Gegenüber dem Chronometreur J. Z., bzw. Auto-Photo war nun sogar ein langsames Auf- und Ab des Stempels möglich: „Foto-Ski allein garantiert getreue mechanische Nachahmung der SANFTEN Hand-Auslösung! Zerstört den Kameraverschluss NIEMALS! – Schweizer Fabrikat – Höchste Präzision!“

Auch hier gab es ein zusätzliches Modell mit einem Gehäuse aus Feinsilber in einem goldfarbenen Etui, das nun mit „Ihre Königl. Hoheit Prinzessin ASTRID, Herzogin von Brabant, verwendet unseren Foto-Ski in Feinsilber“ beworben wurde. Doch trotz aller Anstrengungen um Präzision und Exklusivität setzte sich am Ende die Konkurrenten Autoknips und Photo­clip durch. Anfang 1930 warf Zurflüh schließlich das Handtuch und verkaufte seine Patentrechte an den Heinrich Klapprott, dessen Zeitauslöser Autoknips II noch die nächsten 50 Jahre die Prägung „D.R.P.“ erhalten sollte.

1930: WILHELM KAUFMANN 'WILKA'

Mit diesem neuartigen Zeitauslöser der Genfer Uhrenmanufaktur Wilhelm Kaufmann (Wilka, nicht verwandt mit Wilka Schließtechnik, Velbert) sollten beliebig kleine Belichtungs­zeiten möglich gemacht werden. Das Patent beschreibt Zeiten von 1/50 bis 30 Sekunden, die technische Umsetzung ergab schließlich eine Spanne von 1/10 bis 10 Sekunden.

Neben diesem recht zierlichen Mod. P (Pose) wurde von Wilhelm Kaufmann auch ein gleichgroßer Momentauslöser Mod. I (Instantané) hergestellt. Hauptabnehmer wurde das Kaufhaus Schocken, das beide Geräte unter dem Eigennamen Adina bis 1938 verkaufte.

1936: PHOTOCLIP DIREKT

für Compur, Rollei und Leica

1947: ERNO SELFTIMER

Denkt man an Schweizer Uhrwerke, denkt man an Präzision in höchster Vollendung. Ganz anders die Selbstauslöser der Erno Photo­finishing Equipment AG. Selbst im gereinigten und frisch geölten Zustand geben sie beim Ablaufen statt einem sanften Schnurren nur ein rasselndes Knurren von sich. Grund genug, den Verkauf nicht in Europa, sondern ganz weit weg, nämlich im den USA, stattgefunden lassen zu haben. Lediglich die Prägung 'Swiss Made' weist auf ihr Herkunftsland. Doch bei aller Kritik haben die Erno Selbstauslöser doch einen deutlichen Pluspunkt: Ihre kräftigen Farben lockern jede Sammlung optisch auf. Ob sich auch noch ein knalliges Grün findet?

1949: CENIN (und ähnliche)

In den 40er Jahren wurden in den USA wurden einige Selbstauslöser nicht eindeutig bestimmbarer Hersteller angeboten. Lediglich die Beschriftung „Swiss Made“ oder „Made in Switzerland“ verwies auf das Herkunftsland. Bekanntester Vertreter ist der Cenin Automatic Self Timer, ein blank vernickelter Momentauslöser mit starker und gleichmäßiger Aufzugfeder, der erstmals 1949 bei Willoughbys, World's Largest Camera Store in New York, N. Y. Erwähnung fand.

1950er: EMI

Glycerinhydraulischer Momentauslöser nach Vorbild des Weber'schen Direkt, beschriftet mit 'EMI' und 'Swiss Made'.

Text...

1960: PAILLARD-BOLEX

Bolex
Bolex

Bolex Paillard AG, St. Croix
Schmalfilmgeräte für Aufnahme und Wiedergabe

Kinoauslöser bis 20 s mit schwarzem Plastikgehäuse (drei verschiedene Zwischenstücke liegen bei)

Modell A: normale Ausführung mit schwarzem Frontblech, passend für fast alle Kameras

Modell B: Sonderausführung mit rotem Frontblech mit Parallelgewinde als spezielles Zubehör für 'Bolex Zoom Reflex' Mod. P1, P2, P3 und K1

letzte Änderung: 08.04.18